Am Osterwochenende haben in Deutschland die traditionellen Ostermärsche stattgefunden, bei denen Menschen für den Frieden demonstrierten. Trotz einer bundesweiten Organisation in gut 70 Städten und Gemeinden, wie vom Netzwerk Friedenskooperative angegeben, blieb die Zahl der Teilnehmenden vergleichsweise überschaubar. In Stuttgart versammelten sich beispielsweise nach Polizeiangaben rund 3000 Personen, während in Berlin etwa 1600 Demonstranten gezählt wurden. Diese jährlichen Kundgebungen, die seit den Sechzigerjahren ein fester Bestandteil der deutschen Friedensbewegung sind und ihren Höhepunkt in den Achtzigerjahren während des Kalten Krieges erlebten, spiegeln auch heute noch das Engagement für pazifistische Anliegen wider.
Im Fokus der diesjährigen Ostermärsche standen primär die anhaltenden Konflikte in Nahost und der Ukraine. Mit Parolen wie “Mit Papprakete gegen den Krieg” und Plakaten, die eine “Friedenstaube in Jena” zeigten oder “Blut an der Freiheitsstatue” in Berlin symbolisierten, machten die Teilnehmenden auf die Dringlichkeit ihrer Forderungen aufmerksam. Neben der Beendigung der aktuellen Kriege richteten sich die Proteste auch explizit gegen eine weitere Aufrüstung Deutschlands und gegen die diskutierte Wiedereinführung der Wehrpflicht. Erste Aktionen starteten bereits am Gründonnerstag, weitere waren für Ostersonntag und Ostermontag, unter anderem in Dresden und Hamburg, geplant.
Die Demonstrationen waren dezentral organisiert, was zu unterschiedlichen Mottos in den Städten führte, wie beispielsweise “Gönn ma’ Frieden” in einem süddeutschen Kontext. Historisch gesehen hatten die Ostermärsche ihren Höhepunkt in den 1980er-Jahren, als Hunderttausende Menschen auf die Straße gingen. Inzwischen scheint die Bewegung jedoch an Zugkraft verloren zu haben, wie der Friedensforscher Tobias Debiel in der “Tagesschau” anmerkte. Er kritisierte die Aufrufe als zu einseitig und die Bewegung als “alt geworden”. Er bemängelte, dass in vielen Aufrufen Russland nicht explizit als Aggressor im Ukrainekrieg benannt werde und im Gazakonflikt lediglich Israel, nicht aber die Hamas, kritisiert werde.
Diese Kritik wurde durch Beobachtungen wie “Ostereier in den Nationalfarben Palästinas” und “Iran-Flaggen in München” untermauert, wo auch Unterstützer des iranischen Regimes an den Kundgebungen teilnahmen. Trotz dieser Kontroversen und der gesunkenen Teilnehmerzahlen bleibt der Ostermarsch ein wichtiges symbolisches Ereignis für die Friedensbewegung in Deutschland, das Jahr für Jahr die Forderung nach einer friedlicheren Welt auf die Straße trägt und an die Tradition des Widerstands gegen Krieg und Aufrüstung erinnert. Die Botschaft “Give peace a chance” hallte auch in Städten wie Duisburg, wo mehrere Hundert Menschen demonstrierten, wider.

